davon, daft dieser arbeiter trotz der herrschaft des sozialismus gewisse dinge wolle, die er beim feindlichen kapitali- stischen nachbarn neidisch betrachte, mag das auch manchmal stimmen diesmal ist der sowiefarbeiter im recht, er sieht in den planen zu einer neuen stadt eine gelungene organisation seiner wohnungs-, arbeits- und rekreations- statte,- eine erfüllung seiner vitaien lebensbedürfnisse. der sozialistische arbeiter will aber darüber hinaus schöpferischen kulturellen reichtum, der zum vegetativen in wechselbeziehung steht. wenn er von der effektvollen, aber ungeordneten lichtreklamewirrnis der berliner friedrichstrafte gefesselt war, dachte er ganz instinktiv an ein lichtspiel im freien raum. naturlich wird ein fortschrittlicher architekt in einer neugeplanten sozialistischen siedlungs- anlage kein lichtreklamepanoptikum einer kapitalistischen groftstadt rekonstruieren wollen, aber das bedürfnis des befreiten menschen nach kulturellem überschuft nach einem lichtspiel im freien raum ist durchaus legitim. und man muft diesen wunsch in die wirklichkeit umsetzen. moholys proiekt eines stadtelichtspiels wird hier aktuell. alles, was moholy hier angeführt hat: das bedürfnis nach lichtsensationen, lichtfresken, gesteigerten formen des reflek- torischen lichtspiels, die notwendigkeit, die technik der scheinwerferkanonen, der proiektion auf wolken, des licht- spiels im geschlossenen raum und endlich auch des abstrakten absoluten films fortzuentwickeln: das alles steht im mittelpunkt der künstlerischen interessen allernachster zukunft. samtliche artikel von I. moholy-nagy, london, Siegfried giedion, Zurich und fr. kalivoda, brno wurden in deutscher sprache verfaftt. die druckkorrektur der deutschen texte besorgte will schaber, brno. 132

Telehor cs | 1936 | | page 136