10 FILMKRONIEK „das kind des anderen" 118 regie: e. tscherwjakow bautens. meinkin olga: anna sten produktion: sowkino, leningrad verleih„derussa" ein sehr guter russenfilm, mit einfachsten mitteln aufgebaut, mit meisterung der fotografisch-filmi- schen sicliten. dass man niclit ganz wie bei „potem- kin" oder wie bei der „mutter" hingerissen wird, ist dem umstande zuzuschreiben, dass die russen aus- serliche, amerikanische filmrezepte mechanisch (wie bei der feuerwehrszene) übernommen haben. selbst der spezifisch russische teil leidet manchmal an dehnungen; die milieubeschreibungen, (die rolle der klatschenden weiber) sind über das mass hinaus aus- genützt, sodass manchmal die satire des kleinbiirgers wie ein versinken des regisseurs in seinem thema er- scheint. das problem des films ist die steil imgnahme des ehe- mannes zn dem kind, das die frau von einem ande ren bekommt. der film wild aber diesem problem weitaus nicht gerecht, er streift es nur ganz ober- flachlich. die dargestellte teilsituation kann ihn nicht fiillen; er hort auf, wo die lage sich zu klaren be- ginnt, bevor die beziehung der drei leute zueinander in ein greifbares stadium tritt. doch sind ausgezeich- nete filmische stellen in dieser arbeit, z.b. das schau- keln der aus netzgewebe bestehenden wiege, die sich wie nach schlagen eines metronoms vor dem gesicht der mutter auf und ab bewegt. dann die froschperspektiven einer stadtreise mit der strassen- bahn, die aufnahme der gemeinschaftsktiche, wo die FOTO FLORENCE HENRI

Internationale Revue i10 nl | 1928 | | page 32